Harfe und Piano in Symbiose
MUSIK
18. SEPTEMBER 2017, ZUGER ZEITUNG
Zwei Musikerinnen machen sich mit gemeinsamen Vornamen einen Namen: Mutter und Tochter Praxedis überzeugten am Samstag mit ungewohnten Klängen.
Zug – Harfe und Klavier in einer Qualität zu vereinen, die begeistert: Das ist das Ziel der beiden Zuger Musikerinnen Praxedis Hug-Rütti (Harfe) und Praxedis Geneviève Hug (Klavier). Ein Mutter-Tochter Duo, das aber viel mehr ist als einfach eine un¬gewöhnliche oder rührende Konstellation; die beiden sind ¬ta¬lentierte Musikerinnen und ¬faszinierende Arrangeurinnen, zusammen mit ihrem Charisma könnte man sie sogar als Gesamtkunstwerk bezeichnen.
Ihr Können auf verschiedenen musikalischen Ebenen haben sie am Samstag im Burgbachkeller Zug eindrücklich bewiesen. Auf dem Programm standen ursprünglich Bachs «Goldberg-Variationen». «Da wir unsere Arrangements für Klavier und Harfe erst öffentlich aufführen, wenn wir davon absolut überzeugt sind, haben wir uns entschlossen, stattdessen andere, bekannte Stücke aufzuführen», entschuldigte sich die jüngere Praxedis vor dem Publikum im beinahe ausverkauften Burgbachkeller. Vielleicht war diese Entscheidung letztendlich für das Publikum sogar ein Glücksfall, denn durch die musikalische Darbietung verschiedenster Komponisten aus unterschiedlichen Epochen liess sich bestens erleben, wie sich die Kombination Harfe–Klavier anhört. Und da die beiden effektiv auf «Hits» der klassischen Musik setzten, konnte das Publikum auch in vielen Fällen einen direkten Vergleich ziehen. Bei Johann Strauss’ «Donauwalzer» beispielsweise gelang das besonders gut. Da der Komponist diesen einst nicht für Harfe und Klavier geschrieben hatte, ¬war hier also entsprechendes Können und das Gespür für ein ¬neues Arrangement gefragt.
Das Transkribieren von Orchesterstücken ist generell anspruchsvoll, für Harfe und Klavier gilt das aufgrund spärlicher Referenzstücke vielleicht sogar noch mehr, und trotzdem machten sich die beiden Musikerinnen bei manchen Stücken auch selbst ans Werk. Beim «Donauwalzer» beispielsweise war das neue Arrangement sehr gelungen, bei manchen anderen Stücken dominierte die Harfe zuweilen vielleicht etwas stark. Was möglicherweise aber durchaus auch im Sinne des Duos ist. Nie wurde aus der Dominanz der Harfe aber Penetranz.
Mehr als nur Begleitinstrument
Das Mutter-Tochter-Duo de¬monstrierte am Samstag auf der Bühne Harmonie und Kreativität und überzeugte über weite Stellen auch musikalisch. Kam es zu Beginn noch zu kleineren Pro¬blemen mit dem Timing, legte sich die Nervosität bereits ab dem zweiten Stück; ein kurzes, verspieltes und amüsantes Vivace aus dem Concerto grosso von Händel sorgte für Schmunzler beim Publikum und demons¬trierte in weniger als zwei Minuten, welche Vielfalt die beiden Instrumente zusammen bieten.
Die Instrumentenkombination Harfe und Klavier mag nicht jedermanns Sache sein, faszinierend ist sie auf jeden Fall. Manch einer fragte sich am Konzertabend vielleicht auch, warum die Harfe primär als Begleitinstrument in den grossen Werken (wenn überhaupt) vorkommt, denn Raum für musikalische ¬Experimente – das wurde am Konzertabend ansatzweise demonstriert – wäre durchaus vor¬handen. Schon alleine die Bühnenoutfits waren auf spannende Weise nonkonform und sorgten im eher dunklen Keller für optische Akzente. Musikalisch kam es dann oft auch ef¬fektiv zur Symbiose der beiden unterschiedlichen Instrumente. Symbiose hiess am Samstag aber auch, dass diese durch Ergänzung zu Stande kam. Letztendlich konnte am Samstag das Fazit «Mission Harfe und Klavier geglückt – Publikum überzeugt» gezogen werden. Gedankt wurde dafür mit viel Applaus.
(Haymo Empl)
http://www.zugkultur.ch/hg1NrE/harfe-und-piano-in-symbiose-zug